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Schelmenstück
Wo Narren spielen :3

Review: Kick-Ass

odonel @ April 29th 2010 | Tags: , , ,

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With no power, comes no responsibility … except … that wasn’t true.

Odonel sagt

Odonel:

Abgesehen von mangelnden närrischen Spielen war der heutige Tag schon ziemlich genial, doch der abendliche Kinobesuch schaffte es, ihm einfach eine ultimative Narrenkappe aufzusetzen. Es ist knapp 50 Minuten her, dass ich aus dem Kino geschritten bin und mein Hirn sendet immer noch wie bekloppt irgendwelche Awesome-Signale aus. Immer mehr prallen innen an meinem Schädel ab und flitzen von einer Seite zur anderen durch meinen Kopf. Der Kick-Ass-Virus hat mich gepackt und ich krieg mich nicht mehr ein.

Als ich das erste Mal von Kick-Ass hörte, hieß es: ein Film von Nerds für Nerds. Das klingt natürlich sehr verlockend; die Vorfreude war groß. Die Trailer und Vorankündigungen versprachen einen Film, der abseits vom reinen Action Mainstream etwas ganz und gar nicht Aalglattes probierte. Hauptcharakter Dave Lizewski fragt sich als Fan von Comicheften, wieso noch niemand sich in ein dämliches Kostüm gesteckt hat, um Verbrecher zu bekämpfen. Gefragt getan – Dave kauft sich einen grünen Neoprenanzug und geht auf Verbrecherjagd, weil er es leid ist, dass die Leute ständig weggucken, anstatt zu helfen. Durch Youtube wird seine erste Heldentat berühmt, seine Geschichte geht durchs Fernsehen und er macht weitere Helden, aber auch Verbrecher auf sich aufmerksam. Eine außergewöhnliche, aberwitzige Hetzjagd beginnt und es fliegen nicht nur sprichwörtliche Fetzen.

Warum niemand bisher als Superheld erfolgreich war, zeigt uns der Film recht schnell. Es gibt so derbe auf die Fresse, dass es keinen Spaß machen kann, Superheld zu sein. Diese bodenständige Thematisierung von Zivilcourage überzeugt. Dabei wirkt die benutzte krasse Brutalität aber niemals geschmacklos oder effekthascherisch. Die immer wieder demonstrierte Verletzlichkeit der Protagonisten schafft es, den Zuschauer zu fesseln. Meine Haare waren am Ende des Films nicht davon abzuhalten vor Spannung zu Berge zu stehen. Auch wenn die Helden es verstehen Ärsche zu treten macht sie das noch lange nicht unsterblich und diesem Film habe ich – zurecht – bis zum Schluss alles Mögliche zugetraut. Einziger Wehmutstropfen ist in diesem Zusammenhang der ziemlich antiklimatische Tod des Neoprenanzugträgers in der Mitte des Films. Ein überraschender und vor allem zu früher Tod, der eine wirkliche Charakterentwicklung stoppte, bevor sie beginnen konnte. Die restlichen Charaktere des Films wissen aber zu überzeugen. Ohne sich zu vieler Klischees und platter Züge zu bedienen, werden Figuren gezeigt, die wir schnell verstehen können ohne das sie dadurch langweilig werden. Kleine süße Szenen und Dialoge trainieren nicht nur die Lachmuskeln, sondern geben den Charakteren so viel Tiefe, wie es in einem 118 Minuten langen Werk bewerkstelligt werden kann.

Ironischerweise ist das Titellied “Kick-Ass” vom Londoner Musiker Mika das mit Abstand schlechteste Stück des ganzen Soundtracks. So schaffte es der Film mir auch noch im Abspann die Haare zu Berge stehen zu lassen – dieses Mal leider vor negativer Überraschung. Eine so weichgespülte Scheiße hat es echt nicht verdient mit den ansonsten sehr abwechslungsreichen, innovativen sowie prägnanten musikalischen Leckerbissen des Films auf einer CD zu sein, geschweige ihnen als Titellied irgendwie hierarchisch überlegen zu sein. Die Musik rockt derben Shit – zumindest bis zum Abspann.

Die Kameraführung erinnert in den Kampfszenen an meinen großen Liebling 300, kopiert diesen aber nicht, sondern setzt neue Akzente bei ähnlichen Techniken. Fantastisch, atemberaubend, genial! Dabei hat der Film eben nicht nur krasse, dreckige Action zu bieten sondern produziert auch herzhafte Lacher – mit trockenem und feuchtem Humor. Da er von Nerds für Nerds ist, rieseln – angeblich – Comiczitate durch den gesamten Film, aber als Marvel-Analphabet konnte ich nur einige wenige heraushören. Dadurch verliert der Film jedoch nicht, sondern gewinnt höchstens dazu, wenn man die entsprechende Vorbildung mitbringt. Selbst die obligatorische Liebesgeschichte ist weder peinlich noch aufgesetzt, sondern überzeugt durch Witz, Selbstironie und hemmungslosen Sex. Der ganze Film ist sehr selbstironisch ohne es jemals zu übertreiben. Ich glaube, was den Film für mich so atemberaubend, gelungen und einfach awesome macht ist seine gelungene Gradwanderung bezüglich der Übertreibung. Er spielt stets am oberen Limit, ohne dabei den Boden unter den Füßen zu verlieren. Die krassen Actionszenen werden durch die raue, frische, abgedrehte Handlung festgebunden, sodass der Film nicht abhebt.

Kick-Ass ist ein Meisterwerk – so sehr hat mich zuletzt 300 überzeugt!
Der Film bekommt von mir fünf von fünf Narrenschellen.

5 von 5 Schellen von Odonel


8 comments to...
“Review: Kick-Ass”
Markus

Ja in der Tat ein verdammt gelungener Film.

Vor allem wirkenden durch die auf die Spitze getriebenen Charaktere manche Dialoge so surreal ohne das ganze lächerlich zu machen (außer der Film will es so ^^).

Allerdings sind sich wohl die meisten Reviewer im Netz einig das Chloë Moretz mit ihrer Rolle als Hit Girl der heimliche Star des Film ist… und ich muss zugeben sie sticht auch bei all den anderen coolen Charakteren einfach raus. Kann mich nicht erinnern in nem Film schon mal nen kleines Mädchen gesehen zu haben, dass so krass Ärsche tritt. ^^ Um so krasser bei den abgedrehten Stunts die sie da abzieht, dass sie wohl nicht nur ne ca. 11-Jährige spielt sondern zur Zeit des Dreharbeiten wirklich auch nicht älter war. (Da kommt dann wohl noch ne weitere Paralelle zu 300 rein, denn sie hatte wohl bei den Vorbereitungen auf die Action-Einlagen mit dem gleichen Team zu tun, dass auch bei 300 mitgearbeitet hat oder so ähnlich…)

Vielleicht noch krasser, dass las das die Story des Films quasi die “Weichspül-Version” des Orginal war. Denn der zugehörige Comic soll zwar nicht in Sachen Gewalt aber in der Charakter-Interpretation noch nen Stückchen zynischer angelegt gewesen sein. Allerdings glaub ich war das für ne Kino-Film-Adaption schon gut so, denn ich kann mich bei dem, was ich so das las auch nicht vorstellen, dass die Charaktere und Handlung sonst so sympathisch herübergekommen wäre.

Recht überrascht war ich wie der Film sich insgesamt entwickelte, denn nachdem was der Trailer einem so an Ideen an die Hand gibt und bei der heftigen und sehr realistischen Darstellung von Gewalt hätte ich mit ner konsequenzen Dekonstruktion der typischen Superhelden-Storys gerechnet, aber nachdem alles zu Ende erzählt ist muss man dann irgendwie feststellen, dass das doch nicht so ganz die Absicht des Films war.

Ich hab diesbezüglich einen interessantes “2nd Look” Review zur Aussage des Films gefunden:
http://tinyurl.com/y76y6ce
Schon ein sehr netter Blick auf die Entwicklung und Motive der Handlung… und ich muss dem Schreiber beipflichten, dass das wohl wirklich so ein Film ist, dem man auch erst auf den zweiten Blick in diesem Licht sehen kann, weil man beim ersten mal einfach viel zu erschlagen ist von der Bildgewaltigkeit einiger Szenen (wie deine Review ja auch gut wiedergibt ^^)

Was der Typ dort nicht so wirklich viel thematisiert, ich aber dennoch am befremdlichsten am dem Film finde, ist wo er moralisch stehen will. Denn bei all den Ideen von Zivilcourage und Hilfsbereitschaft ist die Aussage des Film irgendwie recht klar das Superhelden sind was sie sind weil sie Menschen töten (und das zieht sich eigentlich schon ziemlich konsequent durch den Film) und da gibts doch ab und an auch mal Kollateralschaden ohne das der Film da groß zimperlich ist mit der Darstellung (bzw viel über S/W-Denken hinausgeht).
In einem normalen Hirn-Aus-Action-An-Film hätte ich mir nicht viel dabei gedacht, aber der Film hat ja schon einen anderen Anspruch, so wie der aufgezogen wurde.

Naja ich bin auf jeden Fall gespannt auf ne Fortsetzung bzw. ob das überhaupt noch der Idee diese Film gerecht werden kann, eine Fortsetzung zu bauen…. aber das Ende schreit ja gerade zu danach.

BTW las ich auch ein paar Vergleiche zu der Art wie ‘Watchman’ gestrickt ist (minus die Comedy-Aspekte) aber von dem Film weiss ich letztlich gar nix. Wohl auch mal wert einen Blick auf den zu werfen.


odonel

Hit Girl = awesome character! Gestern nacht habe ich mir noch ein Poster bestellt *hihi* Ich musste bei ihr an Christoph Waltz als Hans Landa in Inglorious Basterds denken, weil sie genau wie er eigentlich eine Nebenrolle ist, die aber noch viel mehr als der Hauptcharakter heraussticht. Wobei ich bei Inglorious Basterds sogar sagen würde, dass Hans Lander die Hauptrolle ist, wobei Hit Girl diese Position definitv nicht einnimmt. Vielleicht können Nebencharaktere in gewisser Erzählweise viel besser scheinen, weil man von ihnen nicht so viel erwartet; ein anderer Gedankengang. … Jetzt hab ich grad dein verlinktes Review gelesen und der Autor zieht auch den Vergleich – bin ich wohl in der Pro Liga :P

Chloë Moretz hat aber laut imdb.org ein Stuntdouble namens Greg Townley. Wäre auch sehr krass, wenn sie das alles könnte, obwohl sie bisher eine Schauspielkarriere vorzuweisen hat.


Markus

Ja diese Vergleich zu Landa hab ich auch noch wo gelesen und ich kann auch nur zustimmen. Ich würde aber schon auch sagen das die Story um Big Daddy und Hit Girl irgendwie am Ende dominanter ist als die Story des Typen, also weiß ich nicht ob man jetzt da so groß mit Hauptcharakter oder Nebencharakter argumentieren sollte.

Und bei den Stunts: tia ka… ich hab nur in nem Interview was davon mitgekriegt, dass sie da alles mögliche trainiert hatte um da bei der Action mitmischen zu können. Glaub nicht das die sowas erzählen würde, wenn das alles wer anders für sie gemacht hätte. Sind vermutlich immer noch genug nicht total unmenschliche Akrobatik benötigten Szene geblieben wo’s sonst aufgefallen wäre :P


David

Den musste ich mir natürlich auch direkt anschauen. Wirklich fantastisch, ganz wie du es beschreibst. Es stimmt einfach alles: Charaktere, Plot, Geschwindigkeit, alles interessant, einfallsreich und angemessen. Blöd nur, dass ich dein Review vorher gelesen hatte und so schon wusste, dass der Typ im grünen Neoprenanzug ausgeknipst wird. ;P

SPOILER
Die fantastischste Szene des Films ist die, in der Big Daddy auf seine Mindy schießt, um ihr beizubringen, wie es sich anfühlt, von einer Kugel getroffen zu werden. Heilige Scheiße! Ich dachte die ganze Zeit: Ne, das bringt der jetzt nicht, das können die doch jetzt auch gar nicht zeigen, wie ein Vater zu Übungszwecken auf seine 11-jährige Tochter schießt. Aber nein, nachdem er sie genüsslich nach der Geschwindikeit so eines Projektils ausgefragt hat und sie ihm gelehrig geantwortet hat, erklärt er ihr noch ein paar ballistische Details und drückt dann ab und wir sehen, wie der Schuss sie umhaut. Grandios, mir stand der Mund offen. Selbst eben musste ich noch einmal ungläubig laut auflachen als ich daran dachte.
/SPOILER


Markus

“Heilige Scheiße! Ich dachte die ganze Zeit: Ne, das bringt der jetzt nicht, das können die doch jetzt auch gar nicht zeigen…”
“Grandios, mir stand der Mund offen”

same here… aber wem würde es nicht so gehen, nach dem “harmlosen”, lustigen Zeugs vorher. :P

Und das Mädel selber sagte, in nem Interview auch, als sie diese Szene im Drehbuch las, wusste sie sie MUSS diese Rolle spielen. XD


Peter

Dann bin ich mal gespannt auf morgen ^^

P.S. Ich finde es sehr geil dass der Artikel unter “hemmungsloser Sex” getagt ist :-)


Peter

Martin, hab ich dir schon von dem Film hier erzählt?

http://psycho-rajko.blogspot.com/2010/10/kino-scott-pilgrim-vs-world.html

Der scheint so ein wenig in die selbe Richtung zu gehen wie KICK-ASS und bekommt auch lauter gute Kritiken. Wäre vielleicht was für dich ^^


odonel

Der steht schon seit zwei Monaten auf meiner Gucken!-Liste ;) Aber vielen Dank, dass du an mich gedacht hast.




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