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Schelmenstück
Wo Narren spielen :3

Geheimhaltungsstufe ++ – was hab ich zu verbergen?

odonel @ May 21st 2010 | Tags: , ,

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Odonel sagt

Odonel:

Gestern saß ich in meiner Datenschutzvorlesung und frug mich was die ganze Paranoia eigentlich soll. WAS?! werden jetzt einige entsetzt fragen, die mich besser kennen und denen ich ständig mit meiner eigenen Paranoia und Googlemeiderei auf den Keks gehe. Es ist eine Tatsache, dass Firmen – als beliebtestes Beispiel das große Böse Google – sich an Daten über unser Verhalten (sei es beim Surfen, Offline-Shoppen oder Zähneputzen) und unserer Persönlichkeit satt und rund schlürfen. Jede klitzekleine Information wird zentral gespeichert und über komplexe Algorithmen mit allen anderen verknüpft, so dass sie uns noch vorraussagbarer und beinflussbarer werden lassen. In einer Folge des Chaosradio (#154 – Wer hat Angst vorm Googlemann?) berichtete eine Werbemanagerin, dass sie, wenn sie über GoogleAds Werbung schalten möchte, das Raster der Zielgruppe ziemlich fein einstellen kann und darüber selbst erschrocken ist: Google weiß, wo wir wohnen, was wir tun, wie alt wir sind. Wieso wissen sie sogar, wie alt wird sind? Weil wir in Forenprofilen unser Alter angeben und wenn wir vorher auf irgendeiner Seite einen Googlecookie geschluckt haben – Google also auf unserem Rechner eine Datei abgelegt hat mit der sie uns identifizieren kann, auch wenn unsere IP-Adresse wechselt – und uns mit diesem Cookie nun in das Forum einloggen, kann Google selbiges auslesen und dem Cookie ein Alter zuordnen. Besuchen wir irgendwann später wieder das Forum mit einem neuen Googlecookie und loggen uns ein, kann Google jetzt die Daten, die es mit dem ersten und mit dem zweiten Cookie gesammelt hat, zusammenführen, weil wir offenbart haben, mit sehr hoher Wahrhscheinlichkeit dieselbe Person zu sei. Das gilt natürlich für alle Informationen, die über dieses Cookie gesammelt wurden, nicht nut für die Foreninfos. Das Einloggen dient lediglich als Identifikationsmerkmal. Wie praktisch, dass eine Brizzilion Seiten GoogleAds schalten, denn dadurch bekommt Google die Gelegenheit, Cookies auf unserem Rechner zu speichern, die sie wieder verwenden um ihre GoogleAds besser zu machen, weswegen mehr Leute diese auf ihren Webseiten schalten, weswegen Google die mehr Gelegenheiten bekommt, Cookies… Geniales Konzept. Wenn man jetzt noch bedenkt, dass Google sich mit Youtube eine der größten Webcommunities gekauft hat und mitlerweile diverse Onlineprogramme anbietet, mit denen man die typischen Computeranwendungen ersetzten kann (Schreibprogramme und ähnliches) und sie somit noch mehr Daten sammel, sie sogar Zeitungsarchive einscannen und so langsam das gesamte Wissen der Menschheit auf ihren Servern lagern um irgendwann einfach sagen zu können: Ätsch, jetzt bekommt ihr entweder keinen Zugriff mehr oder seid unsere ergebenen Sklaven… Der letzte Gedanke ging vielleicht etwas zu weit. Aber hey, bis zu den politischen Eskapaden der letzten Amtsperiode habe ich auch nicht damit gerechnet, dass sich George Orwells Ideen so gut in Deutschland etablieren könnten.

Wie ihr seht, bin ich entweder paranoid oder realistisch – je nach eigenem Standpunkt. Mein Problem ist, dass ich selber immer zwischen diesen Standpunkten schwebe. Es überwiegt definitiv der paranoide, weil ich das Resultat von zu viel Paranoia nicht so schlimm wie von zu weniger einschätze oder besser: eingeschätzt habe. Ich frage mich, was ist so schlimm daran, dass ich mir die ganze Mühe mache dem Sammeln von Daten aus dem Weg zu gehen. Paybackkarten verarschen die Kunden, weil die Firmen unverhältnismäßig mehr Profit mit Hilfe der gesammelten Daten machen, als sie den Kunden als Bonus zurückgeben. Aber es ist ja nicht so, dass ich meine Daten selbst verkaufen könnte um Profit daraus zu schlagen.Iich mache also keinen Verlust – andere machen nur auf meine Kosten Gewinn. Wenn ich an der Supermarktkasse elektronisch bezahle kann daraus ein Profil erstellt werden, das zeigt wann ich wo einkaufe. Schadet es mir, wenn das jemand weiß oder freue ich mich lieber, dass ich nicht ständig zum Geldautomaten rennen muss – wobei mein Konto dann nicht immer so schleichend geleert würde; Papiergeld hat seine Vorteile. Apropo Bewegungsprofil: Jedes Handy loggt sich in verschiedene Funkzellen ein und so kann ebenfalls sehr gut ein Bewegungsmuster nachgezeichnet werden. Auch wenn man damit keine punktgenaue Ortung vornehmen kann, reicht es doch aus um gewisse Stationen des täglichen Lebens – oder eben auch die nicht alltäglichen, dann wird es nämlich richtig interessant – zu sondieren. Es gibt sicherlich nicht ohne Grund verschiedenste Anbieter von dubioser Software, mit der man das Mobile des Partners zum Peilsender umfunktionieren kann.

Unsere Gesellschaft bewegt sich scheinbar unentwegt darauf zu auf einem riesigen Haufen Daten zu sitzen, der mit der entsprechenden Informationstechnik auch gewinnbringend ausgewertet werden kann. Gewinn heißt hier nicht notgedrungen Geld, sondern z.B. auch das Wissen über den Aufenthaltsort eines Mitmenschen. Gewisse Organisationen wehren sich dagegen und ich möchte es eigentlich auch, aber mit der Zeit bin ich wohl untergraben worden und mein Widerstand ausgehöhlt.

In einer Folge des Küchenradiospodcast, der sich um die Organisation Wikileaks.org dreht, wird angesprochen, dass Wikileaks derzeit rund 37.000 E-Mails aus dem internen NPD-Nachrichtenverkehr zugespielt wurde und sie planen alle für eine große Communitysichtung zu veröffentlichen – derweil wird noch an einer geeigneten Platform dafür gearbeitet. Wikileaks ist eine Internetplatform, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, geheime Dokumente, die irgendjemandem (meistens internen Firmenangestellten oder Politikern) in die Hände gefallen sind, für diese Leute zu veröffentlichen, damit deren Identitäten geheim bleiben. Natürlich werden unter den siebenunddreißigtausend Mails auch Private sein und da fiel dann der interessante Satz: “Wenn es immer mehr Informationen in unsere Gesellschaft geben wird, müssen wir lernen bei privaten Dingen, die uns nichts angehen, auch einmal wegzusehen.”

Eine sehr noble Vorstellung und ein regelrechtes Ausweichen was die Verantwortung von Wikileaks bei dieser speziellen Geschichte anbelangt, aber das soll hier nicht Thema sein. Der grundsätzliche Gedanke, dass wir in einer Welt in der wir alles über jeden erfahren können, davon vielleicht gar nicht gebrauch machen, weil wir doch noch so etwas wie An- oder Abstand waren wollen, weiß zu faszinieren. Es reicht ja auch schon Leuten einige Dinge einfach nicht unter die Nase zu reiben, obwohl man sie trotzdem weiß. Der Mensch ist ganz gut darin, sich in die Tasche zu lügen, dass niemand von etwas weiß, wenn niemand darüber redet. Ist das also die ultimative Antwort auf das Problem, das über uns privatsphärenvernarrte Menschen hereinbrechen wird? Ich weiß es wirklich nicht. Ich weiß nur, dass ich es leid bin, ständig Arbeit in das Verheimlichen meiner Daten zu stecken, bei dem Wissen, dass ein einziges Leck ausreicht, alle Mühe zunichte zu machen. Bleibt mir nur noch, mir eine Höhle zu graben und es mir dort bis ans Ende meiner Tage gemütlich zu machen – ab und an lasse ich mich von Narrenspiel besuchen ;)


5 comments to...
“Geheimhaltungsstufe ++ – was hab ich zu verbergen?”
Markus

Tia da ich in der Hinsicht auch öfter Richtung Paranoia tendiere, kann ich das alles schon nachempfinden. Allerdings sag ich mir dann wohl etwas öfter als du “Scheiß drauf” und wähle Bequemlichkeit vor Vorsicht und glaub damit hab ich dann nen ganz gutes Mittelmaß gefunden.
Aber diese Idee von Paranoia geht glaube ich allgemein daraus hervor das man sich halt mit dem “Nerd-Stuff” der Rechentechnik als Informatiker auseinandersetzt, denn keiner so genau wissen will auch wenn er es vielleicht besser sollte. :P

Was ich aus deinen Ausführungen für mich schließe ist, das all die Informationen und das Wissen eigentlich ein hohes Gut für uns sein sollte, was dann halt nur die meisten nicht bemerken, denn letztlich wird damit ja eigentlich nur deshalb so viel rumgeschachert, weil so viel Geld dabei im Spiel ist und damit Macht/ein Markt/die Wissbegierigkeit der Menschen abgedeckt wird.
Aber was irgendwie traurig erscheint ist, dass es wohl einfach so viel mehr lohnt damit Leute abzuzocken als ihnen das bewusst zu machen, was dort abgeht.
Ich kann mich an so viele mir sinnlos erscheinende General-Purpose-Werbeaktionen wie “Trinkt mehr Milch, das ist gesund”, “Findet Blumen toll”, “Putz dir die Zähne” und “Achtet Verkehrsregeln” in meinem TV guckenden Vergangenheit erinnern, aber bezüglich Datenschutz-Kompetenzen ist bei mir nix je hängen geblieben (was entweder heißt das ich sowas nie gesehen habe oder das die PR-Leute dahinter Mist gebaut haben). Scheinbar ist es das Geld nicht wert, den Leuten diese Methodiken, so wie du es hier tust gegen den Kopf zu knallen, da dann im Gegenzug kein Geld wieder zurückkommt… oder so ähnlich. Um Gegenteil: Es wird so viel Aufwand zur Verschleierung der Zahnrädchen in der Maschine getrieben, dass ein Entgegenwirken einem Wettrüsten wohl gleichen würde. So bleibt es an Einzelnen die versuchen mit schockierenden Statements und Informationen die Allgemeinheit wachzurütteln, dass sie mal etwas weniger Bequem damit umgehen müsste.

Ansonsten: Bezüglich sich des sich Entziehens all dieser “neumodischen” Trends im Netz. Ich hab ja z.B. für diese ganzen Facebook-Surfer-Generation der Internetnutzung auch nix über, weil ich auch besseres zu tun habe als diese zigtausenden von Communities zu pflegen, aber ich frag mich langsam ob man wenn man sich dem ganzen verschließt vielleicht nicht in deiner metaphorischen Höhle vergammelt, aber eher wie die alte Oma wirkt die immer behauptet, sie braucht kein Radio, TV und Telefon für ihr Leben.
Z.B. erzählten die uns in der Uni bei so ein paar Workshops bezüglich Jobeinstiegs-Kosmos letztes Jahr im Herbst viel davon wie wichtig es geworden ist “Selbst-Marketing” zu treiben und das auch einer der Schlüsselpunkte dafür ist gezielt ein Web-Profil von sich zu schaffen durch all diese Netzwerke (und natürlich all die Fallen in die man dabei tappen kann)… nur ist mir das irgendwie total zuwider, weil ich einfach mit den Dingern so nix anfangen kann…. Sich so was als Selbst-PR einfach nur künstlich zu bauen erscheint mir dann schon recht lächerlich, aber es scheint dass man als “unangepasster” Mensch irgendwann dann den Nachteil ziehen wird.
Und nachdem ich letztens las das ausgerechnet Facebook mit Mozilla darum ringen möchte, so was wie eine grobale ID für Internetnutzer zu schaffen womit all die Identifikations- und Sicherheitsprobleme im Netz mit 100ten von Passwörtern etc. einzudämmen (ach was herrliche Ironie wie ein Single-Sign-On des Internets uns Retten soll indem wir noch näher Richtung Orwell geschubst werden). Da fragt man sich doch wie obligatorisch all diese Auswüchse der Datenkrake noch werden können.

Ich hab für meinen Teil schon vor langem die ganzen GoogleAds von meinem Werbeblocker schlucken lassen. Die Ironie dabei ist allerdings, dass ich den ursprünglich nur deshalb angeschafft hatte, weil ich diese ganzen sichtverdeckenden total penetranten Ads inm Netz loszuwerden, die mich immer mehr beim surfen blockierten (war die große Hochzeit der Flash-animierten Fullscreen-Sichtbehinderer). Google war ja schon Anfang an sehr gut angepasst in dieser Hinsicht, mit sehr subtiler Platzierung, dass sie eigentlich für mich gar nicht ins Fadenkreuz hätten rücken dürfen. Allerdings waren sie mit ihren so uniform überall eingefügten Links so leicht zu blocken, dass ichs wieder amüsant fand, dass zu tun und irgendwie hatte ich da wohl den richtigen Riecher (auch wenn ich den hier beschriebenen Pferdefuß noch gar nicht ahnen konnte), denn mit über 300k Blocks dürften wohl locker ein Drittel bis die Hälfte aller geblockten Links seit ich den benutze auf Google zurückgehen.

“Der grundsätzliche Gedanke, dass wir in einer Welt in der wir alles über jeden erfahren können, davon vielleicht gar nicht gebrauch machen, weil wir doch noch so etwas wie An- oder Abstand waren wollen, weiß zu faszinieren. Es reicht ja auch schon Leuten einige Dinge einfach nicht unter die Nase zu reiben, obwohl man sie trotzdem weiß.”
In meiner Tradition hier immer wieder auf obskure Dinge zu verweisen, kann ich mir gerade mal nicht verkneifen anzumerken, dass ich dabei an Kino’s “The Country That Knows The Pain Of The People” denken musste, weil es die Idee von zu viel Wissen über andere Menschen zu nem ganz anderen Extrem hindeutete.
[Mal für die Uneingeweihten erklärt: Das ist ne kleine philosophische Geschichte, die sich um ein Dorf dreht, dass in der Hybris des wissenschaftlichen Fortschritts ein Mittel zur Telepartie als den nächsten neuen Kick erfand. Letztlich zerstörte die Errungenschaft jegliche Art von Community in dem Dorf, weil die Angst und Konsequenzen daraus jedem alles zu offenbaren, alle Menschen in totaler Einsamkeit trieb, so dass jeder quasi mit ner großen gedanklichen “Firewall” um sich rum daheim allein dahinlebte (weil Telepartie reichweitenbeschränkt war). Letztlich implizierte die Geschichte auch, dass diese Dorf irgendwann aussterben würde, wenn die Leute ihre Einstellung nicht ändern würden, allerdings wurden auch ein paar positive Aspekte in das Setting reininterpretiert. ]


odonel

Soll ich dir mal die Kommentarbox größer machen, damit du beim Tippen deiner Blogeinträge in unsere, Kommentarebereich die Übersicht nicht so leicht verlierst *lacht*

Das ich mich schon in meiner Höhle befinde, weil ich mich den sozialen Netzwerken verschließe (ich wollte gerade dem Web 2.0 schreiben, aber das verbietet sich ja als bloggender Mensch), ist mir noch gar nicht aufgefallen, aber du hast vollkommen recht.


Markus

Ja das mit diesen kleinen Fensterchen zum tippen ist schon irgendwie für andere Sorten Mensch erdacht ^^Aber weißte was noch mehr nervt? Einrückung von Antworten, denn die lassen alles noch länger erscheinen als es wirklich ist ;P


Velaz

Ha, ich schreib ohnehin fast immer in Notepad, da habe ich keine Probleme damit. ;P

Es ist schon krass, was man so alles macht. Ganz früher hatte ich nur Antivir laufen. Inzwischen sind neben Antivirus, Firewall und Anti-Spyware-Programmen noch die Firefox-Add-Ons NoScript, AdBlock und BetterPrivacy dazugekommen (letzteres kümmert sich übrigens recht elegant und um die hartnäckigeren Cookies, wie z.B. die von Google). Und dabei bin ich gar nicht so paranoid. (z.B. verschicke ich noch keine PGP-verschlüsselten Mails wie gewisse andere Leute…). Ich kann nur empfehlen, sich einmal probeweise NoScript zu installieren. Es ist erstaunlich zu sehen, wie viele Scripte von Fremdseiten auf manchen Internetpräsenzen eingebunden werden. Ich würde schätzen, dass es im Mittel vier oder fünf sind, man begegnet aber auch schon einmal 20, von denen man dann meist nur eine Quelle aktivieren muss, um die Seite problemfrei nutzen zu können. Vollkommen paranoid kann man dann werden, wenn man bemerkt, dass auf geschätzt jeder dritten Seite ein ominöses Etwas von “google-analytics.com” läuft.

Ich hege ja seit längerem den Verdacht, dass hinter Google in Wirklichkeit eine außerirdische Macht steht. Sie wollen unsere komischen Netzwerke und Sozialstrukturen infiltrieren und damit niemand auf die Idee kommt, dass dahinter Außerirdische stecken, schaffen sie eine Tarnfassade: Alle denken nur an einen gierigen Konzern, das können sie einordnen. Die ursprünglichen Suchalgorithmen sind in Wirklichkeit Alien-Technologie und vor einigen Jahren haben zwei Amerikaner im Silicon Valley einen Pakt mit dem Teufel geschlossen und unsere Netzwerke den Marsianern ausgeliefert. Inzwischen erstellen deren Wissenschaftler soziologische Profile und lassen ihre organischen Supercomputer mit den literarischen Produkten der letzten Jahrtausende füttern, um zu evaluieren, ob unsere Spezies es verdient weiterzubestehen. Es ergibt alles so viel Sinn! Nur noch Fox Mulder kann uns retten!

Naja, soviel zur Paranoia. So unheimlich wie eine Alien-Invasion ist Google auf alle Fälle. Aber ich kann deine Unzufriedenhei schon verstehen. Eigentlich hat man ja auch überhaupt nichts zu verbergen und vielleicht ist es auch wirklich viel Mühe um nichts und klar muss man Kompromisse machen. Aber trotzdem finde ich, dass man Google im Rahmen des Möglichen den Mittelfinger zeigen sollte, ohne sich das nächstbeste Loch zu suchen. Es hat noch nicht einmal viel mit Privatsphäre zu tun. Meinetwegen kann jeder, auch Google, gerne wissen wie alt ich bin. Aber sie sollten verdammt noch mal einfach fragen. Das sind elementare Anstandsregeln und dagegen zu verstoßen ist schlicht unhöflich. Selbst wenn bei Google die uneigennützigsten Menschen auf der Welt säßen und der Konzern vollkommen ungefährlich wäre und nur unser Bestes wollte, wäre es einfach anstandslos, Daten ohne Zustimmung zu speichern. Wegsehen, wenn einen was nichts angeht, heißt halt im Internet “löschen”. Wenn bei deinen Freunden immer so ein komischer Typ rumlungern würde, der sich alles notiert, was du so machst, dann heißt das noch lange nicht, dass man seine Freunde nicht mehr besuchen sollte, aber man muß dem komischen Googlemann ja auch nicht gleich auf die Nase binden, wo man wohnt, sonst hängt er da auch noch rum, figürlich gesprochen. Also, es gibt nervige Menschen wie auch Konzerne, um die man nicht rumkommt, wenn man nicht zum Anarcho-Terroristen werden will oder zum Eremiten.

PS: Stimme dir, Markus, übrigens in allem zu, was Selbst-PR und Facenook & Co. angeht. Am allerlächerlichsten wird es, wenn das ganze nicht mehr aus einem echten Impuls zur Gemeinschaft mit Anderen erfolgt sondern zur Erhöhung der eigenen Chancen beim nächsten Vorstellungsgespräch.
An dieser Stelle mögen sich alle nicht-Studi-VZ-Nutzer bitte einmal gegruschelt fühlen!


Tigerle

Soziale Netzwerke… Denen habe ich mich auch recht lange verschlossen. Allerdings bekam ich dann Auswirkungen des Gruppenzwanges anderer Art zu spüren. Wenn Kommilitonen sich über Absprechen, merkt man doch, dass man sich solchen Netzwerken nicht total verschliessen kann.
Allerdings wäre bei mir wohl jede Abschottung zu spät. Ich war im Internet schon zuviel aktiv, bevor ich mir über Datenschutz Gedanken gemacht habe. Wenn ich in gewissen Foren über 10000 Beiträge gesetzt habe, so wäre es nun unnützer Aktionismus, wenn ich mich von der Aussenwelt abschotten würde.
Ausserdem sehe ich die Zukunft noch düsterer in Sachen Datenschutz:
Wir diskutieren heutzutage über Google Streetview. Ich könnte natürlich das Haus, wo ich wohne, löschen lassen. Aber auf wievielen Bildern bin ich vielleicht drauf, ohne dass ich es weiss? Natürlich kann man jetzt denken, dass dies nicht so schlimm wäre, da ich ja verpixelt angezeigt werden würde. Aber ich glaube nicht, dass Google die Bilder nicht auch unverpixelt hätte. Und das ist für Google eine Investition in die Zukunft, denn irgendwann sind wir auch mit der Bilderkennung so weit, dass man diese Bilder datentechnisch auswerten kann.
Was ich sagen will ist, dass man sich auf Dauer als Privatperson nicht wehren kann. Man hat aber gewissen Einfluss darauf, welche Daten über einen gesammelt werden können. Wenn niemand die Gelegenheit bekommt, von mir im betrunkenen Zustand Bilder zu machen, wird dies kein Grund sein, warum ich einen Job nicht bekommen sollte. Wenn ich mich nicht rechts- oder linksradikal äusser, wird man mir (ausser bei Rufmord) nicht in die radikale Schublade stecken.
Allerdings hat diese Denkweise auch eine Kehrseite: Wenn ich nicht den Ruf haben will, unbequem sein zu können, darf ich mich nicht über Unrecht äussern. Ich darf nicht meine unbequeme unpolitische Meinung äussern. Ist dies nicht praktisch? Keiner, der sich einen besseren Datenschutz einsetzen würde. Jeder mit einer firmen- oder staatsbequemen Einheitsmeinung.
Aber wir schweifen ab. Google hat ja nicht vor, mich gezielt auszuspionieren. Die wollen doch nur wissen, welche Werbung sie mir unterjubeln können. Ein Ansinnen, welches mir eigentlich recht egal ist. Und bevor ich jetzt weiterspinne, möchte ich einmal klarstellen, dass ich aktuell Google keine bösen Absichten unterstelle. Aber das dicke Aber muss folgen: Ich möchte einmal einen Blick auf den deutschen Staat lenken. Dieser hat die Aufgabe, das beste für die deutsche Bevölkerung zu forcieren. Dafür wird die Regierung ja auch von allen Bundesbürgern alle 4 Jahre gewählt. Und um sich die Arbeit zu erleichtern gibt es gewisse Unterabteilungen wie Ministerien oder die Ämter. Zum Beispiel die GEZ. Es gab schon einige Skandale um dieses Musterbeispiel des Schutzes der Privatsphäre. (Hier einmal ein Link mit einigen Beispielen: http://www.fernsehkritik.tv/folge-47/2226/ von der Seite http://www.fernsehkritik.tv )
Wenn schon staatliche Institutionen, von denen wir eigentlich bürgerfreundliches Verhalten erwarten können sollten, eine solche Interpretation vom Schutz der Privatsphäre haben, will ich mir nicht ausmalen, auf was für Gedanken Konzerne wie Google kommen werden, denen die Privatsphäre der Menschen recht egal sein kann.
Und auch wenn ich im Grunde eine recht optimistische Person bin, so weiss ich doch, dass wenn es um verantwortungsvollem oder ethischem Verhalten geht, meistens Murphys Gesetz zuschlagen wird: Es werden die schlimmstmöglichen Ereignisse eintreten. Und zwar in der schlimmstmöglichen Reihenfolge! Und praktisch wehren können wir uns eigentlich nicht!




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Es ist knapp 50 Minuten her, dass ich aus dem Kino geschritten bin und mein Hirn sendet immer noch wie bekloppt irgendwelche Awesome-Signale aus. […] diesem Film habe ich – zurecht – bis zum Schluss alles Mögliche zugetraut. Einziger Wehmutstropfen ist in diesem Zusammenhang […]

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Als die aufmerksamkeits- und leserabhängigen Narren, die wir sind, bleibt uns natürlich keine andere Wahl, als populistische Blogeinträge zu schreiben, und dazu gehört nun einmal selbstverständlich Lena … Genau! Lena Meyer-Landrut sollten die ehrenhalber Vierzig verliehen werden! Wenn sie als Vierzigjährige anerkannt wird könnte sie nämlich ungeachtet ihres biologischen Alters Bundespräsidentin werden. Das wäre doch phänomenal, oder? Wenn man mit der Wahl einer Castingshow auch gleich seine Politiker mitbestimmen könnte, wäre das doch die ultimative direkte Demokratie.

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