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Schelmenstück
Wo Narren spielen :3

Russisches Roulette im baffen Berlin: Wer tritt Köhlers Nachfolge an?

odonel @ June 3rd 2010 | Tags: , , ,

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Odonel sagt

Odonel:

Als die aufmerksamkeits- und leserabhängigen Narren, die wir sind, bleibt uns natürlich keine andere Wahl, als populistische Blogeinträge zu schreiben, und dazu gehört nun einmal selbstverständlich Lena … und wie man ihren Nachnamen schreibt, muss ich jetzt schon nachgucken … Meyer-Landrut. Eigentlich sind wir dafür auch wieder viel zu spät, was an dem akuten Desinteresse an der Popmusik im Allgemeinen und einem auf diesem Gebiet auch noch schlechten Performer im Speziellen … ähhhh populistisch! Genau! Lena Meyer-Landrut sollten die ehrenhalber Vierzig verliehen werden! Ich stieß, glaube ich, im Kommentarebereich von Telepolis auf diesen Auspruch. Wenn sie als Vierzigjährige anerkannt wird könnte sie nämlich ungeachtet ihres biologischen Alters Bundespräsidentin werden. Das wäre doch phänomenal, oder? Wenn man mit der Wahl einer Castingshow auch gleich seine Politiker mitbestimmen könnte, wäre das doch die ultimative direkte Demokratie.

Als ich gelesen habe, dass Horst Köhler zurücktritt und die nachfolgenden Artikel über die möglichen Nachfolgespekulationen las, musste ich mir eingestehen, dass ich  eigentlich keine Ahnung vom Amt des Bundespräsidenten hatte. Das einzige, was ich über Köhler wusste, war seine Verwicklung in das Zugangserschwerungsgesetz. Und selbst da hat er ja, so wie ich das mitbekommen habe, nicht wirklich etwas getan, weil er keine andere Wahl hatte, als das Gesetzt zu unterschreiben. Vielleicht könnte man ihm unterstellen, dass er diese Unterschrift nur etwas hinausgezögert hat, um Zeit für eine Diskussion der Öffentlichkeit zu schaffen. Ja die Hoffnung stirbt zu letzt. Vielleicht kann Narrenspiel mich ja erleuchten?

Narrenspiel sagt

Narrenspiel:

Eigentlich ist Horst Köhler ein ganz interessanter Mann, der vor seiner Amtszeit als gewiefter Banker und Wirtschaftswissenschaftlicher auffiel: Präsident des deutsche Sparkassenverbandes zu sein und anschließend als Geschäftsführender Direktor des Internationalen Währungsfonds zu amtieren, sind beachtliche Leistungen. Außerdem engagiert er sich wohl für den afrikanischen Kontinent. Als er von CDU, CSU & FDP 2004 zum Bundespräsidenten gewählt wurde, kündigt er an, er wolle ein Kandidat mit Ecken und Kanten sein und auch Unbequemes äußern.

Jetzt, sechs Jahre und eine sehr unglückliche Äußerung über wirtschaftliche Interessen im Afghanistenkonflikt später, konnte Köhler mit der Kritik an seinen Äußerungen und seiner Person scheinbar nicht mehr umgehen und aus dem Mann mit Ecken und Kanten ist ein eher zerknitterter Mann geworden, der sich nie wirklich in den Berliner Regierungsapparat einfinden konnte. Dass er am Montag von seinem Amt als Bundespräsident zurückgetreten ist, ist zwar keine historisch einzigartige Begebenheit (Heinrich Lübke tat’s auch, allerdings etwas… diplomatischer), aber dennoch angesichts der politischen Lage frappierend. Erst Koch, nun Köhler, und so scheinen der Regierung Merkel die wirklich großen Politiker wegzulaufen, vor allem auch jene, deren Stimmen mit ihrem Fachwissen auf dem Finanzsektor in der jetzigen Zeit sicherlich großes Gehör hätten.

Ich persönlich kann Köhlers Handeln nicht nachvollziehen. Ich kann mir zwar gut vorstellen, dass die andauernde mediale und kollegiale Kritik (die eigentlich gesetzlich verboten ist!), einem über kurz oder lang zusetzt. Aber sich gerade an diesen Tagen, dazu zu entscheiden, von einem der wichtigsten Ämter der Bundesrepublik zurückzutreten, halte ich für strategisch ungünstig und fahrlässig – schon Peter Parker wusste, dass aus großer Kraft große Verantwortung folgt. Und aus noch größerer Macht folgt auch noch größere Verantwortung, und damit auch die Verantwortung, das eigene Amt nicht kopflos aufzugeben und nicht nur sich selbst, sondern den Staat als Ganzen im Zentrum seines Handelns zu sehen.

Etwas Gutes hat sein Rücktritt: Immerhin ist die Regierungskoalition nun gezwungen, den Reset-Button zu betätigen und sich noch einmal grundlegend Gedanken über ihre Politik, ihre Ziele, ihre Möglichkeiten zu machen. Die Krise, vor welcher die Regierung Merkel momentan steht, erfordert entschlossenes Handeln, aber sie bietet auch die Möglichkeit der Kurskorrektur, denn wer am Boden ist, kann wenig verlieren und damit auch unliebsame Reformen durchsetzen.

Odonel sagt

Odonel:

Da hätte der gute Köhler, sich wohl den immens guten Kick Ass angucken sollen. Oder er hat ihn gesehen und die Sache mit der Verantwortung nur leider falsch in Erinnerung behalten.
Ich habe in den letzten drei Tagen gelernt, dass das Bundespräsidialamt (mal um männliche und weibliche Formen herumschleichen) die Privilegien beinhaltet, der Regierung mal so richtig die Meinung zu sagen. Also ist es kein Amt, dass mir irgendwelcher Parteiideoligie besetzt werden sollte, sondern mit einem Menschen, der ein gewiefter Denker ist und dem es möglich ist, politische Zusammenhänge zu ziehen, die Parteien aufgrund ihrer Verpflichtungen gegenüber der eigenen Farbe zwar sehen aber nicht vertreten darf. Narrenspiel erwähnt bereits, dass der Bundespräsident gegen Kritik aus der Regierung gefeit ist. Er hat einen Prügelknaben im Bundestag sitzten, der alle Beschlüsse und Meinungen des Bundespräsidenten unterschreiben und damit die Verantwortung dafür übernehmen, sowie alle Kritik einstecken muss. Dummerweise war Köhler nicht gegen die Meinung der Bürger gefeit. Zahlreiche Leserbriefe an das Deutschlandradio (das das umstrittene Interview sendete) und weitere große Medienmachen, Twitternachrichten und ein Aufschrei der Blogosphäre führten letztlich dazu, dass sich auch die Mainstreamnachrichten und damit das gesamte Volk plötzlich für Köhlers Verfehlung interessierten. Meine Meinung, dass die vierte Macht im Staate sich von den klassischen Medien hin zu den Web 2.0 Communities und ihre freiwilligen Hobbiejournalisten bewegt, sieht sich hier bestätigt. Spannenderweise ist der Bundespräsident sogar gegen Meinung aus dem Volk gefeit, denn §90 des Strafgesetzbuches verbietet es auch dem Bürger unter Androhung von bis zu fünf Jahren Haft (hier kommt wieder der Populismus unseres Blogs zum Tragen :P) den Bundespräsidenten zu verunglimpfen. Das spannt auch gleich die Brücke zur nächsten spannenden Episode dieses ganzen Fiaskos: Zensursula von der Leyen. Netzpolitik.org fragte sich schon, ob es wegen der ganzen Zensursula T-Shirts rechtliche Probleme gäbe, wenn von der Leyen tatsächlich wie von Merkel noch bis gestern gewünscht Bundespräsidentin würde. Das hat sich dankenswerterweise wegen genau der Bedenken, die mir sofort in den Sinn kamen, heute erledigt. Aber die Tatsache, dass von der Leyen eine Wunschkanidatin von Merkel ist/war, bestätigt eigentlich die Meinung, dass auch Lena Meyer-Landrut problemlos das Amt annehmen könnte, denn scheinbar wird keinerlei Expertise gefordert und Sympathien herrschen für das Popsternchen sicherlich mehr vor, als für die gute Zensursula. Man überlege sich einmal bitte, dass eine Frau, die sich in der Debatte um das Zugangserschwerungsgesetz als vollkommen beratungsresistent gegenüber Expertenmeinungen gezeigt hat und lieber geholfen hat, ihrer Partei für den Wahlkampf ein Thema zu geben, das sie von den anderen Parteien abhebt (so Schäuble nach der Wahl), eine starke Meinung gegenüber den herrschenden Politikern aufbauen soll: Ein Witz! Dass sie sich für ihre vollkommen falsche Äußerungen, in Indien wäre Kinderpronografie erlaubt, immer noch nicht entschuldigt hat, ist auch kein Faktor, der dafür spräche ihr einen repräsentativen Posten anzuvertrauen. Aber letztlich hat ihr schlechtes Image, das sie sich bei einer ganzen Generation von netzaffinen Menschen aufgebaut hat, dafür gesorgt, dass sie als keine geeignete Kanidatin angesehen wird. (“Eine zentrale Rolle spiele dabei ihr Eintreten für das Zugangserschwerungsgesetz.” – FDP-Politiker Sebastian Blumenthal; spiegel.de) Spannende Dinge gibt es über die nicht-Qualifikation dieser Dame auch bei Telepolis zu lesen. Hier wird die Dame als opportunistische Karrierefrau beschrieben, die nicht durch Fleiß trotz ihrer zehn Milliarden Kinder so ein gute Karriere hingelegt hat (selbst das hat sie außerhalb der Politik wohl eigentlich nicht getan: “Wenn von der Leyen heute in der Presse als promovierte Gynäkologin oder Frauenärztin bezeichnet wird, so ist dies ein schlichter Etikettenschwindel.” – Telepolis), sondern nur danke der Beziehungen ihrer Famile so weit aufsteigen konnte. Spannend zu sehen was unsere wohl auch zukünftige Ministerin für Arbeit und Soziales eigentlich so auszeichnet.

Narrenspiel sagt

Narrenspiel:

Wo du grade von Lena sprichst (sie heißt übrigens seit einiger Zeit nur noch Lena und nicht mehr Meyer-Landrut): Köhler hat sich übrigens für eine Direktwahl des Bundespräsidenten eingesetzt, obwohl er damit mit Sicherheit niemals im Amt gelandet wäre. Spannend, oder?

Ich fände es ja super, wenn Schäuble das Amt bekäme. Wenn man sich mal einige seiner Bundestagsreden anschaut, kann man nur neidlos anerkennen, dass der Mann über ein herausragenden rhetorisches Talent verfügt. Wäre wirklich spannend, was er daraus machen würde – anderseits vermute ich, dass er gerade seinen Wunsch-Ministerposten innehat.

Gute Kandidaten wären sicherlich aber auch angesichts der momentan vorherrschenden Lage Josef Ackermann, der sich mehr und mehr politisch äußert, oder Günther Jauch; der könnte dann einfach mehr Griechen bei “Wer Wird Millionär” teilnehmen lassen, und die Staats- und Finanzkrise hätte sich schnell erledigt. Oder wie wäre es, wenn Stephan Raab den nächsten Bundespräsidenten castet – so ein Konzept gab es ja schonmal?

Odonel sagt

Odonel:

Muss ich jetzt den Tag des Eintrags in “nur noch Lena” ändern? Das ist aber glaube ich schlecht für die populistischen Aspekte dieses Eintrags. Niemand wird bei Google “nur noch Lena” als Suchbegriff eintippen, wenn er was von unserem frechen Star aus Oslo (*würg*) lesen will. Ich muss auf die Telepolis Analysen der kommenden Stars für den freigewordenen Posten warten, weil ich einfach so keine Ahnung von Politik habe, die sich nicht mit Kinderpornografie beschäftigt. Schäuble ist allerdings ähnlich Zensursula auch ein großer Kandidat, was das Desinteresse am Grundgesetz anbelangt. Wegen seiner ruhmreichen Vergangenheit gibt es von ihm sogar auch schon T-Shirts, die den §90 des StGb strapazieren könnten. Wird der Mann, der das Bestechungsgeld des Waffenhändlers Schreiber verbaselt hat und sich nicht daran erinnern konnte, jetzt nicht mehr das Geld der Republik (ja wo ist es denn hin das viele Geld?) verwalten, sondern gleich mit seiner makellosen weißen Weste die Geschicke des deutschen Volkes … äh, der Regierung überwachen. Überwachen, war da nicht was?


One comment to...
“Russisches Roulette im baffen Berlin: Wer tritt Köhlers Nachfolge an?”
Markus

Die Idee mit dem Casting gefällt mir…. schon wieder so absurd, dass ich es mir wieder bunt ausmalen kann. Erste Runde besteht dann draus, eine total inhaltslose und sinnfreie Rede rhetorisch als das wichtigste auf der Welt zu verkaufen. Und dann gibt’s Berichte über das Leben der Leute und die kommen mit all den absurden Details daher die man gar nicht wissen braucht. Naja vielleicht hätte das sogar was positives genauer zu wissen, wer diese Leute sind die da rumregieren. ;P

Tia Unverständnis über diese Entwicklung bzw Entscheidung des Rücktritts ist so ziemlich das, was ich egal von wem höre. Unverständnis vielleicht aber auch aus Ahnungslosigkeit, was jetzt eigentlich im Detail dazu geführt hat.

Befremdlich find ich aber auch irgendwie schon, dass in einer Politlandschaft in der doch jeden Sommer die Themenlöcher mit aus dem Kontext gerissenen oder nicht lang genug überdachten Aussagen gefüllt werden, ausgerechnet so eine Äußerung unkorrigierbar und amtsgefährdend sein soll.
Der Alu-Folien-Hut-Träger in mir sagt mir dann eher, dass da irgend ein ganz andere Problem wohl das Fass zum überlaufen gebracht hat, dass wir wiederum nie erfahren werden. Aber auf den sollte man ja besser eh nicht hören :P

Ansonsten geht mir das mit der (fehlenden) Einschätzung der Bedeutung und Aufgaben des Bundespräsidenten eigentlich ähnlich. Ich schätze das ist aber einfach das Problem, dass er halt zwar für das Volk da sein soll aber die meiste Zeit nur im Kontakt mit Instanzen ist wovon der normale Bürger gar nix mitkriegt… und zusätzlich wird halt nie Werbung für das Amt und seine Bedeutung gemacht weil das ja gar nicht nötig ist, da das Volk ihn ja nicht direkt wählt.

Eure immer wieder erwähntes Anti-T-Shirt-Gesetz find ich allerdings eine recht skurrilen Gedanken. Es hätte doch erstmal die frühere Meinung der Menschen über eine solche Person nichts damit zu tun, was später im Amt geschieht und wenn man solche Meinung jetzt wegen eines Wechsels in einen anderen poltischen Amtsstatus zurücknehmen müsste, käme das dann nicht schon fast Zensur gleich. Man könnte doch den Leute nicht ihren Unmut über solche Personen wegradieren per Gesetz.

Aber ich denke, dass wäre dann trotzdem ein Grund warum solche Personen eher nicht in das Amt gewählt werden…. aber wie groß jetzt die Macht des Web 2.0 wirklich geworden ist, muss sich wohl erst noch zeigen. Hier zeigt sich für mich auf jeden Fall auch mal, dass solche Schneeball-Lavinen-Effekte der tollen neuen Instant-Informationen des Netzes vielleicht unreflektiert ziemlich schädlich sein könnten.




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