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Schelmenstück
Wo Narren spielen :3

Bastion – Erbe der Vergangenheit

odonel @ August 8th 2011 | Tags: , , , , ,

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Logo des geilsten Spiels des Jahres - Bastion

5 von 5 Schellen von Odonel

Instant Classic! So gut, dass man es lieber spielen sollte als auch nur einen Fetzen darüber zu lesen. Ladet euch die Demo auf Xbox Live Arcade runter oder harrt als PC User bis zum 16. August. Bastion rockt! Spielen und weggefetzt sein!

Odonel sagt

Odonel:

Der geilste Shit des Jahres ist geschehen! So wie Scott Pilgrim mich letztes Jahr weggefegt und berührt hat, so schafft es dieses Jahr ein Videospiel mich arg zu beeindrucken. Die Rede ist vom Xbox Live Arcade Titel Bastion, der vor drei Wochen im Rahmen des Summer of Arcade erschienen ist. Für alle PC Zocker, auch die mit schwachem Rechner, lohnt sich aber trotzdem das Weiterlesen, denn wie schon erwähnt geht es ab dem 16. August auf Steam los! Alle glücklichen Xbox Besitzer sollten sich erst gar nicht mit dem Lesen meines dummen Geschwafels aufhalten, sondern gleich auf Xbox Live Arcade für schlappe 15 € zugreifen und sich anschnallen. Ein Spiel, das von den Kritikern mit Braid und Limbo in einem Atemzug genannt wird, kann nicht schlecht sein, oder? Ich meine es ernst, je mehr ihr lest, desto mehr baue ich mit meinem Lobgedudel Erwartungen auf, die dann nicht erfüllt werden und ihr werdet blind für den eigentlichen Zauber :) Kusch! Kaufen! Zocken!

Noch da? Wie angedeutet muss ich vorsichtig sein beim Schreiben über Bastion, denn … fangen wir anders an. Bastion wird als Action RPG betitelt. Damals, als SNES und Playstation 1 Spiele noch modern waren und ich versucht habe keinen Titel auszulassen, der irgendwie RPG oder Adventure in der Genrebeschreibung beinhaltete, wurden Spiele wie Bastion noch als Action Adventure bezeichnet – Terranigma, Secret of Mana und Legend of Mana springen mir sofort ins Gedächtnis, wenn ich mich an die Zeit erinnere. Bastion ist definitiv das Legend of Mana des Jahres 2011. Die Entwickler Supergiant Games – Bastion ist ihr Erstlingswerk – haben den Charme von LoM in die Jetztzeit geholt. Es war interessant für mich, beim Spielen mal einen kleinen metaphorischen Blick über meine eigene Schulter zu werfen und zu beobachten, wie sich Bastion von den SNES und Playstation Legenden unterscheidet und was es ähnlich macht. Es ist schneller, packender und pointierter als seine geistigen Vorgänger, während es schafft, den Adventureteil auf ein neues Level zu heben. Ich finde es eine Schande, dass Bastion unter Action RPG geführt wird, denn erstens sagt RPG alles und nichts in einer Zeit aus, in der sogar Ego Shooter in ihren Multiplayermodi RPG-Elemente enthalten und andererseits finde ich hat Bastion wie kein anderes Spiel der letzten Jahre meinen Abenteurergeist so sehr berührt. Für jede Pause musste ich mich überwinden nicht noch eben ein klein bisschen weiterzuspielen, weil ich alles sehen wollte.

Bastion ist ein Arcadetitel und deswegen nicht mit der Größe eines Fallout oder Fable geschlagen. Dafür gibt es einfach keine Wiederholung. Jeder Gegner ist anders, jede Waffe führt sich anders, jedes Gebiet führt in andere Landschaften. In der nächsten Truhe wartet nicht die Stahlausführung deiner Eisenwaffe, sondern etwas völlig anderes. Ausprobieren und weggefetzt werden, das richtige Werkzeug für den nächsten Job finden – experimentieren, auf Abenteuer gehen und Neues entdecken. Genial :)
Wenn euer Mund schon ein bisschen wässrig geworden ist und ihr bis ins dritte Quartal warten wollt, um das Spiel auf dem PC zu zocken: Weg und kommt in drei Monaten wieder um den Rest zu lesen! Die größte Freude macht Bastion mit Sicherheit, wenn man so wenig wie möglich darüber weiß.

Bastions größte Magie liegt in seiner Dichte. Wie schon gesagt, hat es keine Größe eines epochalen Vollpreisspiels, aber trotzdem gelingt es der Erzählweise des Spiels eine Welt zu schildern, die Tiefe vorweist. Erstaunlicherweise gelingt dies größtenteils durch das Präsentieren von Klischees. Eine große Katastrophe hat die Welt dahingerafft und das einzige Ziel, das man hat, ist die Bastion wiederzuerrichten. Ein einzelner Rückzugsort für den Helden, einen Fremden, einen Überlebenden und eine Sängerin. Das Spiel ist voller Stereotype. Die mutigen Sheriffs mit ihren Gewehren, die geschickten Schleicher, die sich mit ihren Speeren durch das Unterholz der Dschungel kämpfen, die Armeeschützen, die mit ihren Karabinern die Feinde schon auf hunderte Meter Entfernung treffen konnten und so weiter und so fort. Total platt von der Grundidee, aber in seiner Darstellung genial. Ich finde nicht die richtigen Worte, um wirklich zu beschreiben, wie es gelingt, aber wenn man es erlebt hat, wenn man von diesen Leuten nur die wenigen Fetzen Information gehört hat, die man bekommt und man sich zwischen all ihren Waffen entschieden hat, dann fühlt man sich ihnen irgendwann zugehörig. Ich ertappe mich bei der Frage, bin ich ein Schleicher, bin ich ein Sheriff, was wäre ich gerne geworden, wenn nicht alles tot wäre? Alles in allem gibt es eine Welt, die nichts Neues zu bieten hat, aber sich unglaublich gut verkaufen kann.

Der größte Verkaufsfaktor ist sicherlich der Erzähler der Geschichte. Die ganze Zeit berichtet der Fremde über die Taten des Helden, einfach The Kid genannt. Eine Stimme, wie sie sonst Kinotrailer von Actionfilmen spricht, berichtet nun von unserer Geschichte. Und das sie über uns berichtet ist eindeutig, denn es läuft kein Band ab, sondern der Erzähler berichtet von dem, was wir tun. Neue Waffen ausgerüstet? Sofort fällt es dem Erzähler auf. Im Level gescheitert und zum nächsten Versuch angetreten? Sofort wird der neue Anlauf kommentiert. Es sind diese Feinheiten, die das Erzählte abrunden und mir das Gefühl geben, dass da wirklich meine Geschichte erzählt wird.

Aber natürlich ist das nicht die einzige Stärke des Erzählers. Die Texte, die gesprochen werden, sind ebenso malerisch wie die Landschaften. Wenn ich mich nicht dagegen sträuben würde, Gedichte ohne Versmaß als Gedicht anzuerkennen, würde ich die Geschichte von Bastion als Gedicht bezeichnen. Die Worte sind gewählt, damit sie gut mit ihren Nachbarn klingen und die Sätze haben einfach Rhythmus. Und die Musik! Neben den wirklich stimmungsvollen Instrumentalstücken gibt es drei wunderwunderschöne gesungene Lieder in Bastion. Sollte tatsächlich jemand an dieser Stelle noch lesen, der das Spiel noch spielen möchte, dann mein letzter Rat: Nicht die Musik anhören :P Supergiant Games sprach von einem emotionalen Spoiler und ich kann mich da nur anschließen. Als das erste Stück im Spiel auftauchte, war ich freudig erstaunt und sofort begeistert. Beim Zweiten war ich total geflashed von der gesamten Szene und wenn ich mir die Musik der Endes anhöre, stellen sich mir immer noch die Nackenhaare vor Ehrfurcht auf.

Alles in allem ist Bastion ein Kunstwerk. Aber das Beste an diesem Kunstwerk ist, dass es neben seiner Schönheit auch noch ein unglaublich geiles Game ist. Vor allem ist es nicht nur ein Spiel, dass man so vor sich hin daddeln kann, sondern ein Spiel, das wirklich eine Herausforderung bietet. Etwas das ich bei vielen Titeln, wie zum Beispiel dem oben genannten Fallout 3 und auch Fable 2, das ich gerade spiele, sehr vermisse. Warum soll ich kämpfen, wenn es bei 98 aus 100 Kämpfen doch keine ernsthafte Chance gibt, dass ich verliere? Bastion tritt deinen Arsch, wenn du es zulässt. Aber es belohnt dich auch, wenn du an den Anfang zurückgehst und merkst, wie sehr du es gemeistert hast. Ein ständig anpassbarer Schwierigkeitsgrad rundet das Bild ab und ermöglicht Leuten wie mir ihre masochistische Ader auszuleben und anderen ein schönes Kunstwerk entspannt zu genießen. Begeisternd auch, dass Bastion sich nicht mit Einfach, Mittel, Schwer, Arschtretend zufriedengibt, sondern dem Spieler 10 verschiedene Möglichkeiten bietet, wie er es sich schwerer machen möchte. Dabei sind die Klassiker wie “mehr Lebensenergie für die Gegner” und “die Gegner machen dir mehr Schaden”, aber auch Dinge, die es erfordern, dass man anders spielt, wie “die Gegner explodieren, wenn sie besiegt werden” und “manchmal werden Gegner temporär unverwundbar, wenn sie geschlagen wurden”. Wie viel Ärger und Freude mir das doch schon gebracht hat.

Fazit: Geilster Scheiß des Jahres (bisher)!


3 comments to...
“Bastion – Erbe der Vergangenheit”
Markus

Ich bin dann doch nicht drumherum gekommen mal den Blog-Artikel komplett zu lesen und Anfang der Woche mal den Trailer anzugucken und das erste woran ich denken mußte war in der tat alles was mir an Legend of Mana positiv in Erinnerung geblieben ist.

Das im Trailer ansatzweise gezeigte Gameplay und die malerischen Landschaft könnten ja fast direkt aus der LoM Welt importiert sein. Und ein Element von wortwörtlichem Worldbuilding scheint ja auch drin zu stecken.

Ich bin (trotzdem den “Spoilern” immer noch) sehr gespannt.

BTW: Wenn ich dich gerade der Erzähler in dem Spiel so geflasht hat, solltest du endlich mal deinen Ausflug nach Portal mal beenden (wenn nicht schon geschehen… alternativ: Portal2 kaufen wenn mal wieder mit Rabatt verfügbar ^^).
Die clever geschriebenen “Voice-overs” des Spiel und die Art wie die “Story” in das Basis-Gameplay im späteren Teil des Spiels eingeflochten ist (ala Bioshock / Metroid Prime “Storytelling”) war glaub ich der Hauptgrund warum es noch heute als Vorzeigespiel für gutes Game-Design und Instant-Classic angesehen wird (neben der Tatsache, dass es ein neues Genre geschaffen hat und und zudem eine perfekte Lernkurve hatte).
Portal2 macht das alles nochmal nur besser in so ziemlich jedem Aspekt.


Velaz

Daumen hoch! Die ersten drei Absätze deines Reviews waren so überzeugend, dass ich mir tatsächlich seit langer Zeit mal wieder ein Videospiel zugelegt habe. Hat sich gelohnt! Spiele jetzt seit ein paar Tagen immer mal wieder daran und es wird nicht langweilig. Mit jedem neuen Gebäude, das man errichtet und jeder neuen Waffe, Technik, Aufwertung wächst die Einsicht, dass man das Spiel nie ganz gemeistert haben wird, aber dass es unglaublichen Spaß machen wird, es zu versuchen.

Einziges Manko ist, dass ein bischen mehr Story das Spiel noch besser gemacht hätte. Vor allem wünsche ich mir zwischendurch etwas mehr über die (bisher wenigen) Charaktere zu erfahren, die man so trifft. Ich denke da z.B. an Diablo (I), wo man die Möglichkeit hatte, jeden dummen NPC nach den Quests zu fragen, die man gerade hat oder einfach auf “Gossip” zu klicken. Dabei erfuhr man dann immer auch, was man so für Leute vor sich hatte. Bei Bastion bleiben die NPCs stumm, wenn man ihnen nicht einen Gegenstand unter die Nase hält. Obwohl man so schon ein bischen was vom Hintergrund mitbekommt, sind die Figuren ziemlich blass und ihre Handlungen wirken dann etwas unmotiviert (bisher zuminest bei mir in dem einem Fall, wo ein NPC spielentscheidend gehandelt hat).

Das restliche Spiel tröstet da aber ganz gut drüber hinweg. Der Erzähler ist wirklich großartig und die Welt (oder was davon übrig ist) wirklich sehr charmant dargestellt. Die Lernkurve ist machbar, aber auch nicht zu einfach und die Spielmechaniken recht komplex, aber nachvollziehbar. Und ja, man identifiziert sich total mit dem Helden und will immer weiter auf Abentuer gehen.

Also, danke für das Review!

btw: Die Idee dür den Erzähler stammt übrigens fast sicher aus The Big Lebowski. Gleiche Cowboymanier und tiefe, ruhige Stimme. Ähnliche sarkastische Art, nur dass es hier um “the kid” geht und nicht um “the dude”. Sehr cool.


Christian

Ich habs mir jetzt geholt, nachdem ich die Demo gespielt habe, hat mich direkt überzeugt und die erzählweise ist ja mal super genial gemacht am Anfang, mal schaun, wie sich das im weiteren Spiel fortsetzt




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Osama wurde getötet. Und 3 Tage hat es gedauert, bis ich in den gängigen Printmedien eine kritische Stimme vernehmen konnte, dass das vielleicht ja doch nicht so ganz mit dem Rechtsstaat vereinbar wäre – 3 Tage!

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Ich muss ja gestehen, dass ich Pen&Paper-Rollenspiele nicht nur deswegen faszinierend finde, weil es wahnsinnigen Spaß macht sie zu spielen, sondern auch, weil dabei viele komplexe kognitive, emotionale und soziale Prozesse ablaufen, die – meistens – einfach so für alle Beteiligten gut funktionieren. Können wir diese Prozesse verstehen und wenn ja, hilft dieses Verständnis uns, mehr Spaß beim Rollenspiele zu haben?

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