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Schelmenstück
Wo Narren spielen :3

Heldenklingen / The Heroes

odonel @ June 14th 2015 | Tags: , , ,

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Odonel sagt

Odonel:

Der Roman Heldenklingen (Originaltitel: The Heroes) von Joe Abercrombie erzählt eine Geschichte, die sich in nur drei Tagen abspielt. Dass so etwas möglich und spannend ist, hätte ich vor dem Hören (ich habe den Roman als Hörbuch rezipiert) nicht bezweifelt. Ich hatte jedoch meine Bedenken, als ich erfuhr, dass sich die Geschichte lediglich um die Handlung einer einzigen Schlacht dreht. Doch Narrenspiel, die schon von einem anderen Buch aus Abercrombies Feder berichtete, hat mich in die richtige Richtung geschubst.

 

Cover Heldenklingen

© Heyne

Was passiert?

Mittelpunkt der Schlacht sind die namensgebenden Helden. Das sind nicht wie man meinen könnte große Anführer und mutige Kämpfer in den Reihen der Kriegsparteien, sondern Steine – Hügelgräber, um genau zu sein. Die Schlachtlinien haben sich an dieser alt-ehrwürdigen Stelle im Norden getroffen und werden bald aneinandergeraten. Aber wie schon bei Best Served Cold (deutsch: Racheklingen) dreht sich die Geschichte weniger um die Handlung und mehr um die Menschen. Wie werden die Protagonisten zu Helden? In den Reihen des Nordens reicht es aus, “Mark in den Knochen” zu haben. Die Kämpfer der Union müssen sich für den Aufstieg mehr mit politischen Fragen herumschlagen. Wir begleiten mehr als ein Dutzend Menschen auf ihrem persönlichen Weg zum Heldenstatus. In der blutigen Welt von Abercrombie erreicht nicht jeder das Ende dieser Geschichte.

Wie wird es erzählt?

Die Erzählung ist spannend. Allerdings nicht, weil man wissen möchte, wer die Schlacht gewinnt, sondern weil man immer mehr über die Menschen auf beiden Seiten erfahren will. Ich hatte nie große Erwartungen an das, was als Nächstes geschehen mag, oder habe groß mitgefiebert, sondern die meiste Zeit nur beobachtet. Ich empfand das Buch fast als eine Art Dokumentation. Das klingt furchtbar langweilig, aber das war es nicht. Man könnte es als Anti-Kriegs-Roman verstehen. Es geht sehr viel um Moral, Opfer und Notwendigkeit. Wenn ich die ganze Geschichte Revue passieren lasse, so kommt mir der Gedanke an Stanley Kubricks Film Full Metal Jacket.

Um solche Gedanken zu erzeugen, reicht es nicht nur von den Hoffnungen und Ängsten der Menschen zu schreiben, sondern der Leser muss auch erfahren, was die Menschen erleben. So gibt es mehrere große Schlachtszenen in Heldenklingen. Ich lauschte eine ganze Stunde lang David Nathan, wie er mir vom Sterben vorlas. Gemeinsam folgten wir dem Schicksal eines jeden Kämpfers, bis er starb, um dann den zu beobachten, der ihn getötet hatte. Eine sehr gelungene Erzählweise, aber doch sehr schnell ermüdend. All diesen Leuten in den Tod zu folgen, die ich nicht kannte, war wenig mitreißend. Dennoch würde der Roman ohne das ausufernde Morden nicht seine ganze Wirkung entfalten.

Was nehme ich mit?

Heldenklingen war eine neue Erfahrung. Das ist im Feld der fantastischen (mittelalteresken) Literatur, schon etwas Besonderes für mich. Es hat mich nicht jeden Moment an sich gefesselt, aber wenn ich das Gesamtwerk betrachte, bin ich schwer beeindruckt. Den ganzen Epilog über habe ich mich gefragt, wie Abercrombie zu einem zufrieden stellenden Ende finden könnte. Mit dem letzten Absatz setzte er Heldenklingen die Krone auf. Trotz des vielen Staunens bleiben die trägen Momente. Deswegen gibt es von mir 4 von 5 Narrenschellen.

4 von 5 Schellen von Odonel

Noch ein Wort zum Hörbuch

Es tut mir in der Seele weh das sagen zu müssen, aber David Nathan überzeugt mich nicht als Hörbuchsprecher. Ich liebe ihn in Hörspielen wie Offenbarung 23 oder als Synchronsprecher einiger namenhafter Schauspieler, doch seine gelesenen Werke sind schlichtweg nur solide. Das ist Jammern auf sehr hohem Niveau. Trotzdem gibt es andere Vorleser, die es schaffen den Figuren noch mehr stimmliche Fassetten einzuhauchen. Vielleicht ist das auch eine Geschmacksfrage und es gibt Hörer, die es eher nervt, wenn jede Figur noch ihr kleines Gimmick in der Stimmlage haben muss. Ich finde das Super und bei David Nathan fehlt es leider. Nichtsdestotrotz kann man das Hörbuch genießen ;)




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Für mich waren Detektivarbeit und Horror sehr häufig zwei Gegensätze. Ich habe erlebt, dass der Detektivanteil den Horror zerstörte. Die eigene Spielfigur wird am Anfang der Geschichte von etwas völlig unerklärlichen aus ihrem Leben gerissen und bricht darüber hinweg mental zusammen. Damit die Geschichte aber weitergehen kann, muss sie das Unerklärliche akzeptieren und analysieren. Es wird dadurch weniger schrecklich.

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